Kleintierpraxis Dr. Sabine Gordon

Praktizierende Tierärztin, Fachtierärztin für Chirurgie, Augenheilkunde

Ein Ratgeber und Leitfaden für Tierbesitzer

 

Diese Information ist für alle Tierbesitzer und –freunde gedacht , die wissen möchten, wie sie einem kranken oder verletzten Tier am besten helfen können.

 

Findet man seinen eigenen Liebling oder ein fremdes Tier verletzt vor, so ist rasches Handeln gefragt: mit den richtigen Erste- Hilfe- Maßnahmen und unterstützt durch eine geeignete Ausrüstung können verletzte Tiere erstversorgt werden, bis die fachgerechte Hilfe durch den Tierarzt erfolgt. Grundsätzlich gilt: Laien können Erste Hilfe leisten, Tabletten eingeben, Tropfen verabreichen, Salben einreiben, einen Verband anlegen,

aber: Diagnose und Behandlung sind Sache des Tierarztes!!!

 

Grundregeln zum Verhalten in einer Notfallsituation

 

Ø       Adresse und Telefonnummern eines oder besser mehrerer Tierärzte stets griffbereit halten, z.Bsp. im Adressbuch oder in der „Tierapotheke“.

Ø       Ruhe bewahren!! Steht man vor einem verletzten Tier, besonders wenn es das eigene ist, so ist dies eine enorme Stressituation. Behalten Sie einen klaren Kopf und versuchen Sie, beruhigend auf das Tier einzuwirken!!

Ø       Stets das Tier vor weiteren Verletzungen schützen: in Panik versuchen viele Tiere zu fliehen, deshalb: Hunde nach einem Unfall sofort anleinen, Katzen in ein Tuch wickeln oder einen Katzenkorb setzen, Vögel und kleine Heimtiere in ihren Käfig oder eine Schachtel mit ausreichend Luftlöcher setzen.

Ø       Unterkühlung vermeiden.

Ø       Lebenserhaltende Maßnahmen:

-          Aufrechterhalten von Atmung und Herz-Kreislaufsystem, bis der Tierarzt erreicht ist.

-          Stillen von Blutungen.

-          Möglichst schneller und schmerzfreier Transport zum Tierarzt.

 

Erste Hilfe- Ausrüstung

 

Unbedingt an einem bekannten Ort aufbewahren und auf Reisen mitnehmen.

 

Ø       Fieberthermometer (digital, kein Quecksilberthermometer)

Ø       Gleitcreme/ Vaseline

Ø       Pinzette zum Entfernen von Dornen oder Splittern

Ø       Zeckenzange

Ø       Cold-/ Hot-Packung

Ø       Einmalhandschuhe

Ø       Verbandsmaterial (Wundgaze, Watte, Mullbinden oder besser selbsthaftende Binden, Pflaster)

Ø       Verbandschere

Ø       Spritze

Ø       Jodtinktur, Mercurochrom oder ähnliches Mittel zum Desinfizieren

Ø       Taschenlampe

Ø       Lebensrettungsdecke

Ø       Dazu kommen die für Ihr Tier vom Tierarzt verschriebenen Medikamente.

 

Wann und wie schnell müssen Sie zum Tierarzt?

 

(nur Beispiele, kein Anspruch auf Vollständigkeit!)

 

Grundsätzlich gilt: wenn Sie sich nicht sicher sind, wie schwer Ihr Tier verletzt oder erkrankt ist, wenden Sie sich an Ihren Tierarzt! Lieber zu früh als zu spät.

 

Sofortige tierärztliche Hilfe notwendig

 

Ø       Schwere Verletzungen, z.Bsp. starke Schmerzen, starke Lahmheit, tiefe oder großflächige Wunden, Blutungen, Knochenbrüche.

Ø       Blut im Urin.

Ø       Starkes Erbrechen und/oder Durchfall, vor allem mit Blutbeimengungen.

Ø       Aufnahme eines Fremdkörpers.

Ø       Aufblähen des Bauches, vor allem bei großen Hunderassen könnte es sich um die lebensbedrohliche Magendrehung handeln.

Ø       Vergiftungen.

Ø       Atemnot und Erstickungsanfälle (Tier streckt Kopf und Hals, speichelt stark, hustet, reibt mit den Pfoten am Maul).

Ø       Verbrennungen.

Ø       Kollaps oder Gleichgewichtsstörungen.

Ø       Erfolgloses starkes Pressen auf Stuhl oder Urin.

Ø       Geburtsschwierigkeiten:

-          nach 30 Minuten Presswehen ist noch kein Jungtier geboren

-          Muttertier gibt nach längeren Wehen auf

-          Nur ein Teil des Jungtieres ist sichtbar und nach 20 Minuten Wehen ist die Geburt noch nicht abgeschlossen.

 

Am selben Tag zum Tierarzt

 

Ø       Appetitverlust zusammen mit z.Bsp. erschwertem Atem, Durchfall, vermehrtem Liegen, Schmerzen.

Ø       Augenprobleme: verstärkter Tränenfluß, Lider ganz oder teilweise geschlossen, Hornhaut getrübt, undurchsichtig oder weißblau.

Ø       Häufiges Erbrechen.

Ø       Kleinere Verletzungen.

Ø       Plötzliche Lahmheit.

Ø       Schwerer Durchfall, Bauchschmerzen, Pressen auf Kot.

Ø       Starker Juckreiz.

Ø       Schwellungen (heiß, hart, schmerzhaft).

 

Tierarztbesuch spätestens nach 24 Stunden

 

Ø       Appetitverlust ohne andere Symptome.

Ø       Durchfall ohne Anzeichen von Bauchschmerzen, Blut oder Pressen auf Kot.

Ø       Mäßiges Kratzen.

Ø       Lahmheit.

Ø       Gelegentliches Würgen ohne andere Symptome.

Ø       Übermäßiges Trinken mit oder ohne vermehrten Urinabsatz.

 

Wichtige Vorsichtsmaßnahmen

 

Voraussetzung für die Versorgung eines kranken Tieres ist das Vertrauensverhältnis zwischen Tier und Besitzer. Allerdings führen Angst und Schmerzen oft zu einem unberechenbaren Verhalten der Tiere, auch beim besterzogensten und ansonsten zutraulichsten Tier, dies gilt erst recht für unbekannte und wilde Tiere. Sehr häufig erleiden Tierbesitzer schlimme Biß- und Kratzverletzungen bei dem Versuch, zu helfen. Deshalb sollten bestimmte Handgriffe, wie Anlegen eines Beißschutzes, Hinlegen des Tieres, Fühlen des Pulses und des Herzschlages schon beim gesunden Tier spielerisch geübt werden.

 

Beißschutz bei Hunden

 

Ø       Maulkorb

Ø       Schlinge um den Fang: mit einer Mullbinde, einem Seidenstrumpf, einer Krawatte oder ähnlichem von ca. 1 m Länge schlingt man eine Schlaufe mit einem halben Knoten, die man über den Hundefang schiebt und so zuzieht, daß der Halbknoten auf dem Nasenrücken zu liegen kommt. Die beiden Enden werden unter dem Fang überkreuzt und hinter den Ohren mit einer Schleife verbunden.

Nicht angewendet werden darf diese Methode bei Hunden, die unter Atemnot leiden oder bei kurzschnäuzigen Rassen (z.Bsp. Boxer, Pekinesen, ShiTzu etc.). Hier ist es gut, wenn eine zweite Person helfen kann, und nach beruhigendem Zureden durch

Ø       Greifen des Nackenfells hinter dem Genick den Kopf sicher fixiert, so daß man selbst mit der Untersuchung oder Behandlung beginnen kann.

 

Vorsichtsmaßnahmen bei Katzen

 

Ø       Nackengriff: sie halten die Katze mit einer Hand am Nackenfell fest und legen die andere Hand um Brust und Schultern, wobei sie das Tier gegen Ihren Körper drücken oder mit beiden Händen leicht nach unten.

Ø       Einwickeln in eine Decke.

 

Vorsichtsmaßnahmen bei Heimtieren (kleinen Nagetieren) und Vögeln

 

Ø       mit Handschuhen anfassen

Ø       schneller, entschlossener Griff des Kopfes und des Schwanzes

  

Normalwerte

 

Um ein schlechtes Befinden des Tieres zu erkennen, muß man erst wissen, was normal ist.

 

Ø       Körperinnentemperatur: am besten mit einem dünnen, digitalen Fieberthermometer, das mit Vaseline gleitfähig gemacht wird,  im Darm messen. Bei Abwehrbewegungen aufhören, sonst besteht vor allem bei Quecksilberthermometern Gefahr, daß es abbricht.

Ø       Bei Vögeln wird in der Regel die innere Körpertemperatur  nicht gemessen.

Ø       Die unten angegebenen Werte gelten nur im Ruhezustand und bei mittlerer Umgebungstemperatur.

 

                                                     Grad Celsius

__________________________________________

Hund, große Rassen                       38,0 - 38,5

           kleine Rassen                     38,5 – 39,0                                          

 

      Katze                                            38,0 – 39,3

 

      Kaninchen                                      39,0 – 40,8

 

      Meerschweinchen                           37,5 – 39,5

 

 

Ø       Herz- und Kreislauf

Sehen Sie sich die Farbe der Schleimhäute (das ist der Übergang zwischen der behaarten äußeren Haut und den Körperhöhlen) am Auge und an der Innenseite der Lippen an. Normal sind die Schleimhäute rosarot. Drückt man mit dem Daumen auf die Schleimhaut der Lippen, so wird sie durch das Wegdrücken des Blutes blaß. Läßt man den Druck wieder los, so sollte die rosarote Färbung in 1- 2 Sekunden wieder da sein.

Krankhafte Veränderungen sind:

Blässe: durch Blutverlust oder sonstige Formen der Blutarmut

Blauverfärbung: durch Sauerstoffmangel, wenn beispielsweise die Atmung behindert ist.

Dies ist stets ein sehr gefährliches Anzeichen.

Gelbverfärbung: bei schweren Lebererkrankungen.

Den Puls fühlt man an der Innenseite des Hinterlaufes nahe der Leiste beim stehenden oder liegenden Tier mit 2 Fingern, aber nicht mit dem Daumen.

Der Herzschlag ist am besten hinter dem linken Ellbogen an der linken Brustwand zwischen der 3. und 6. Rippe zu fühlen. Möchten Sie die Rippen abzählen, so beginnen Sie am besten von hinten nach vorne, mit der 13. Rippe beginnend.

Puls und Herzschlag habe dieselbe Häufigkeit:

 

                                               Schläge/ Minute

Hund, große Rassen                         80- 100

           kleine Rassen                     100- 120

                                                          

      Katze                                            110- 130

 

      Kaninchen                                      120- 150

 

      Vögel                                             140- 400                      

 

 

Im allgemeinen haben kleine Tiere (Jungtiere, kleine Tierarten, kleine Rassen) und trächtige Tiere einen häufigeren Herzschlag und Puls als große, alte und nicht trächtige Tiere.

 

Ø       Atmung:  beurteilen Sie die Bewegungen des Brustkorbes und die Farbe der Schleimhäute. Wenn das Tier sehr flach atmet, so können Sie auch ein Tempotaschentuch oder ähnliches vor die Nasenöffnungen halten und dessen Bewegungen (Flattern in der Ausatemluft) beobachten.

  

Atemzahl/ Minute

 

    Hund                                               10 – 40

 

    Katze                                              20 – 30

 

    Kaninchen                                        50 – 60

 

    Meerschweinchen                             100 – 150

 

    Vögel                                               12 – 36

 

  

Spezielle Erste Hilfe- Maßnahmen je nach Schwere der Verletzung

 

Wiederbelebung bei Herzstillstand

 

Herzdruckmassage

 

Ø       Tier auf die rechte Seite legen, Kopf leicht nach hinten neigen, Kopf etwas niedriger als der übrige Körper (Vorteile: Atemwege bleiben offen, die Zunge kann die Luftröhre nicht versperren, Erbrochenes/ Fremdkörper/ Flüssigkeiten o.ä. kann leichter abfließen, Atmung und Herzschlag sind leichter zu beurteilen).

Ø       Kleiner Hund/ Katze oder Welpe, Heimtier oder Vogel:

Den Daumen einer Hand auf die eine Brustkorbseite und die Finger auf die andere Seite im Bereich zwischen der dritten und sechsten Rippe auf Höhe des Ellbogens legen und zuerst 10 schnelle sanfte Druckbewegungen ausführen. Kommt es zu keiner Wiederherstellung von Puls und Herzschlag, immer weiter zehnmal in sechs Sekunden drücken.

Ø       Großer Hund:

Die Handfläche genau über den Bereich zwischen der dritten und sechsten Rippe in Höhe des linken Ellbogens legen und im gleichen Rhythmus wie oben beschrieben Druck auf den Brustkorb ausüben. Bis zu 70 mal pro Minute.

 

 

Mund-zu-Nase-Beatmung

 

Ø       Bei Bewußtlosigkeit auf die rechte Seite legen, Maul öffnen, Rachen von Schleim und Blut befreien, Zunge vorlagern.

Ø       Bei Atemstillstand sofortige künstliche Mund- zu- Nase- Beatmung. Kopf und Nacken müssen gestreckt werden. Nase des Tieres in die geschlossenen Hände nehmen und kräftig hineinatmen.

 

Bei Herz- und Atemstillstand

 

Ø       Im Wechsel 10 Herzkompressen und 2 Mund- zu- Nase- Beatmungen, das ganze etwa 10 mal pro Minute wiederholen.

  

Stillen von Blutungen

 

Ø       Arterielle Blutung: das Blut schießt hellrot und stoßweise heraus.

Ø       Venöse Blutung: stetiger Abfluß von Blut.

Ø       Blasse, weisse Schleimhäute deuten auf einen Schock oder äußere und/oder innere Blutungen hin.

Ø       Blutet das Tier äußerlich, so legen Sie mit einem sauberen Handtuch oder ähnlichem einen Druckverband an. Notfalls kann versucht werden, die Blutung mit der Hand zu stoppen.

Ø       Abbinden oberhalb der Wunde bei großen Wunden und arterieller Blutung:

Anlegen einer Staubinde, verwendbar sind z.Bsp. Mullbinden, in Notfällen auch Gummistreifen, zusammengedrehter Stoffstreifen, Schnürsenkel, Nylonstrumpf, Hosenträger. Staubinden nur für Verletzungen an den Gliedmaßen verwenden!! Oberhalb der Blutung an geeigneter Stelle anlegen, mit einem einfachen Knoten befestigen und anziehen, bis die Blutung unter Kontrolle ist. Nicht länger als 15 Minuten abbinden, dann die Staubinde wieder lösen, um die Blutzirkulation wiederherzustellen.

Ø       Blutungen aus den natürlichen Körperöffnungen, wie Mundhöhle, Nase, After, Scheide

      können nicht erstversorgt werden. Bei Blutungen aus der Mundhöhle oder Nase: Kopf tief  

      lagern.

Verbände

 

Ø       Verbände um Bauch und Brust:

-          Kompresse auflegen und mit Klebestreifen fixieren

-          Den Körper vier- oder fünfmal mit einer Mullbinde umwickeln und den Verband evtl. mit Klebestreifen an den Haaren gegen das Verrutschen sichern.

Ø       Ohrverband:

-          Kompresse auflegen und mit Klebestreifen fixieren.

-          Ohr flach an den Kopf legen, die Mullbinde zwei- oder dreimal über das Ohr, unter dem Hals und hinter dem unverletzten Ohr herumführen. Mit Klebestreifen fixieren.

Ø       Augenverband:

-          feuchte Kompresse auf das erkrankte Auge legen und mit Klebestreifen fixieren.

-          Die Mullbinde hinter dem gegenüberliegenden Ohr beginnend über das kranke Auge, unter den Kiefer und hinter das erste Ohr führen. Das zwei- bis dreimal wiederholen und den Verband möglichst fixieren.

Ø       Pfotenverbände:

-          bei kleineren Ballenverletzungen oder Zwischenzehenekzem.

-          Möglichst zwischen den Zehen mit Watte polstern. Eine Kompresse auf die Wunde legen, die Mullbinde erst zwei- bis dreimal über die Pfote von vorne nach hinten legen, dann mindestens über das nächste Gelenk nach oben wickeln und sichern.

Ø       Schienenverband bei Beinbrüchen:

-          Um den Bruch herum Watte auflegen und diese mit einigen Schichten Mullbinden, Handtüchern, Schals o.ä. fixieren und am besten mit einer selbsthaftenden Bandage fixieren. Stabilisieren mit Holzstücken, Metallschienen o.ä.

-          Nur Brüche unterhalb des Ellbogens, bzw. Knies können mit Verbänden ruhiggestellt werden. Es müssen immer die beiden benachbarten Gelenke miterfaßt und damit ruhiggestellt werden, sonst kommen Hebelwirkungen zum Tragen, die den Bruch verschlimmern können!

  

Verschiedene Notfälle

 

Autounfall

 

Ø       Das Tier sofort sichern (anleinen, auf den Arm nehmen/ in eine Decke hüllen, kleine Tiere in eine Schachtel setzen). Es könnte in Panik flüchten und sich noch mehr verletzen.

Ø       Beobachten: kann das Tier alle Beine bewegen oder entlastet es ein Bein?

Ø       Bei Blutungen sofort dem Tierarzt vorstellen.

Ø       Keine Blutung:

falls das Tier einen normalen Eindruck macht, Spaziergang fortsetzen, auf das Verhalten und besonders auf Kot- und Urinabsatz achten. Bei Blutbeimengungen sofort zum Tierarzt. Zuhause auf jeden Fall auf Verletzungen untersuchen. Sind keine Verletzungen zu sehen, kann gefüttert werden. Bei Zweifeln sicherheitshalber zum Tierarzt.

 

Ersticken

 

Ø       Anzeichen:

-          Würgen

-          Maul steht offen

-          Speichelfluß

-          Reiben am Maul mit den Vorderpfoten

Ø       Noch einigermaßen normale Atmung: sofort zum Tierarzt!

Ø       Bei schwindendem Bewußtsein, blauer Zunge:

-          Offenhalten des Fanges, indem Sie zum Beispiel den Griff eines Schraubenziehers zwischen die Backenzähne drücken.

-          Wenn möglich, Gaumen und Rachen auf Fremdkörper untersuchen und diesen, falls möglich, entfernen.

-          Zunge vorsichtig nach vorne ziehen

-          Bei Atemstillstand Mund-zu-Nase-Beatmung.

 

Bißverletzungen

 

Ø       entstehen meist bei Raufereien besonders im Bereich von Hals, Rücken und Beinen.

Ø       Meist nur kleine Löcher zu sehen, aber das Gewebe darunter kann zerrissen und entzündet sein. Deshalb auch bei der kleinsten Wunde zum Tierarzt!!

 

Magendrehung

 

Ø       lebensbedrohlicher Notfall!! Sofort zum Tierarzt!!

Ø       Betroffen sind fast ausschliesslich große Hunderassen.

Ø       Anzeichen:

-          einige Stunden nach Futteraufnahme versucht der Hund zu erbrechen und zeigt starke Bauchschmerzen.

-          Aufgeblähter Bauch.

-          Starkes Speicheln und/oder Keuchen.

-          Zuerst starke Unruhe und Schmerzen, dann Schock.

Ø       Vorbeugung:

-          Nach dem Füttern Ruhe, nicht herumtollen lassen.

-          Mehrere kleine Mahlzeiten/ Tag, anstelle einer großen.

  

Augenverletzungen

 

Augapfelvorfall

 

Ø       Feuchthalten mittels eines feuchten Tuches, feuchter Kompresse o.ä.

Ø       Sofort zum Tierarzt.

 

Kalk- oder Zementverätzung

 

Ø       Auge mit sanftem Wasserstrahl aus der Spritze ausspülen

Ø       Sofort zum Tierarzt.

 

Fremdkörper im Auge

 

Ø       Steckt der Fremdkörper in der Hornhaut, nicht selbst behandeln, sofort zum Tierarzt.

Ø       Ansonsten Lider spreizen, Auge gut ausleuchten und vorsichtig versuchen, den Fremdkörper mit einer Pinzette, einem Wattestäbchen oder einem sanften Wasserstrahl zu entfernen. Dem Tierarzt vorstellen.

 

Angelschnur, Nähgarn oder ähnliches verschluckt

 

Ø       Nie den Faden abschneiden.

Ø       Wenn, dann nur ganz vorsichtig daran ziehen. Bei jedem Widerstand sofort aufhören, da der Faden ansonsten das zarte Darmgewebe durchschneidet.

Ø       Schnell zum Tierarzt.

  

Vergiftungen

 

Ø       Anzeichen (je nach Art des Giftes unterschiedlich):

-          Bauchschmerzen

-          Speicheln

-          Würgen

-          Lethargie

-          Durchfall

-          Gerötete Haut

-          Schwankender Gang

-          Zusammenbrechen

-          Zucken

-          Koma

Ø       Reste des Giftes, die Verpackung oder auch das Erbrochene des Tieres mit in die Praxis bringen.

Ø       Verschmutzungen der Haut mit Schmierölen, Altöl oder Farben müssen in der Praxis versorgt werden.

 

Verbrennungen

 

Ø       Verbrennungen durch kochendes Wasser oder heißes Fett verursachen große Schmerzen. Fett aus dem Fell mit aufsaugendem Papier beseitigen. Verbrennungsbereiche mit reichlich kaltem Wasser oder Eiswürfelpackungen kühlen lassen.

 

Verätzungen

Ø       Hautverätzungen:

-          entweder 5 Minuten abduschen oder das Tier mit viel Wasser übergießen, danach mit Seife und Wasser waschen, nochmals gründlich abspülen.

Ø       Innere Verätzungen:

-          Versuchen Sie, daß das Tier viel Wasser trinkt: freiwillig oder mit einer großen Spritze oder einem Schlauch.

 

Elektrischer Schlag

 

Ø       besonders beim Jungtier eine Gefahr, durch Beißen in herunterhängende Kabel.

Ø       Strom abschalten und das Tier von der Stromquelle wegstoßen.

Ø       Kontrolle von Atmung und Pulsschlag, evtl. Wiederbelebungsmaßnahmen.

Ø       Zum Tierarzt bringen, da Spätschäden (wie Hautverbrennungen oder Grauer Star) drohen.

 

Insektenstich

 

Ø       meist im Sommer, erkennbar als Schwellung.

Ø       Kühlung durch Cold- Pack, Eisbeutel oder Plastikbeutel mit Eis und Wasser.

Ø       Insektenstiche sind dann gefährlich, wenn sie im Bereich der Zunge und des Rachenraumes zur Schwellung und Atmungsbehinderung führen. Das Freihalten der Atemwege ist wichtig. Evtl. Zunge nach vorne ziehen. Sofort in tierärztliche Behandlung!

 

Schlangenbisse

 

Ø       Schlangenbisse kommen bei Waldspaziergängen vor. Erste Anzeichen sind Wesensveränderung und Benommenheit, Schwellung im Bereich der Bißstelle und evtl. Schonen der betroffenen Gliedmasse. Sofortige Versorgung durch den Tierarzt!

 

Krämpfe

 

Ø       Krämpfe können viele Ursachen haben. Wichtige Informationen für den Tierarzt sind: Dauer und Häufigkeit der Krampfanfälle. Säugendes weibliches Tier? Giftaufnahme möglich?

Ø       Bis zur US in der Praxis sollte das Tier in einem geräuscharmen Raum bleiben und so gelagert werden, daß es sich während des Krampfes nicht zusätzlich verletzen kann.

Ø       Manchmal beruhigt sich das Tier durch Streicheln und leises Sprechen, bei anderen verschlechtern sich dadurch noch die Krampfanfälle.

 

Hitzschlag

 

Ø       Meist im Sommer, wenn das Tier auch nur kurze Zeit in einem ungenügend gelüfteten Auto in der Sonne sitzt.

Ø       Anzeichen:

-          Keuchen

-          Atemnot

-          Oft nicht ansprechbar/ bewußtlos

Ø       Hitzschlag ist lebensgefährlich! Sofortige Abkühlung des gesamten Tieres durch Abspritzen, übergießen oder Umschläge mit kaltem Wasser sind notwendig.

Ø       Sofort dem Tierarzt zur Infusionstherapie und weiteren Überwachung von Herz und Kreislauf vorstellen.

  

Erfrierungen

 

Ø       Eher bei kurz- als bei langhaarigen Tieren.

Ø       Besonders gefährdet sind: Ohren, Zehen, Rute, Hodenhaut.

Ø       Anzeichen:

-          die Haut ist fahl weiß verfärbt, wird kalt und gefühllos.

Ø       Betroffenen Körperteil sofort mit Schnee oder Eiswasser abreiben, dann in zunächst kaltes Wasser tauchen, die Temperatur langsam auf etwa 30 Grad Celsius steigern.

Ø       Dünne Schicht aus Fett auftragen, wie Lebertran, Oliven- oder Sonnenblumenöl.

Ø       Beim Tierarzt vorstellen, um den Heilungsverlauf zu kontrollieren und die geschädigten Stellen antibiotisch zu versorgen.

 

Lähmungen

 

Ø       z.Bsp. aufgrund eines Bandscheibenvorfalles bei kurzbeinigen Hunden mit langem Körper (Dackel, Pekinesen etc.) oder nach Unfällen.

Ø       Anzeichen:

-          Schmerzen

-          Keine Bewegung der Hinterbeine und, wenn die Halswirbelsäule betroffen ist, auch der Vorderbeine

-          Keine oder verringerte Reaktion auf Zwicken in die Zehen.

Ø       möglichst wirbelsäulenschonend auf einer Decke oder Bahre zum Tierarzt bringen.

 

 

 Zurück zur Publikationen